Muss ich meine Ernährung rechtfertigen?

Diese Frage kam neulich in einer Diskussion mit Freunden auf. Am Tisch dabei: ein Veganer, ein Tiefkühlpizzenliebhaber und ich als Flexi- Allesesser aber in Maßen und guter Qualität. Der Veganer hatte uns zum Essen eingeladen und zauberte uns ein fantastisches, veganes Menü. Den Tiefkühlpizzenliebhaber muss ich an dieser Stelle vielleicht etwas in Schutz nehmen, denn trotz aller Liebe zu den tiefgefroreren Schmankerln würdigt er dann solche kulinarischen Highlights und kann differenzieren. Nichtsdestotrotz fing er dann wieder irgendwann an seine nicht vegane Ernährung zu rechtfertigen. Nach epischem Ausbreiten seiner Gründe, kam die Gegenfrage:

Warum glaubst du, musst du deine Ernährung rechtfertigen?

Daraufhin herrschte erst einmal kurz Stille, bevor dann angefangen wurde zu argumentieren, er würde sich nicht rechtfertigen, er fände das Thema nur interessant. „Bei jedem Dinner und immer der gleichen Diskussion?“ kam meine kritische Gegenfrage. Reaktion daraufhin: Genuschel und dann Themenwechsel.

Es ist doch wahr, das Thema Veganismus wurde inzwischen hingläglich durchdiskutiert und Vor- und Nachteile beleuchtet. Trotzdem geschieht es immer wieder, dass ich mich in Ernährungsdiskussionen wiederfinde à la „Wieso ernährst du dich speziell so und nicht anders?“ wiederfinde. Versteh mich nicht falsch, den Austausch über Ernährungsaspekte grundsätzlich finde ich interessant. Ein Ernährungskonzept jedoch mit den immer gleichen Argumenten auseinander zu nehmen auf Dauer ermüdend. Was dabei wirklich erstaunlich ist, ist dass sich Leute, die eben kein spezielles Ernährungskonzept verfolgen scheinbar noch mehr das Gefühl haben sich für ihre Ernähurng  rechtfertigen zu müssen.

Meine Theorie dazu: Es gibt 3 Standpunkte im Bezug auf Ernährungsdikussionen.

  1. Zum Einen gibt es die Leute , die ein Spezielles Ernährungskonzept verfolgen und das aus einem bestimmten intrinsischen Grund tun. Gesundheitliche Gründe oder Ökologische Aspekte werden zur Motivation. 
  2. Im Kontrast dazu stehen  die Leute, die in der Regel aus Prinzip gegen  Ernährungskonzepte wettern, weil sie sich mit dem Thema gar nicht beschäftigen.
  3. Und dann gibt es die Leute, die keinem speziellen Ernährungskonzept folgen und sich häufig rechtfertigen. Sie sind die Menschen, die für sich selbst eigentlich der Ansicht sind sie müssten ihre Ernährung umstellen, aber es nicht realisieren.

Die Menschen aus der ersten Kategorie rechtfertigen sich finde ich weniger, sie versuchen eher ihren Standpunkt zu erklären. Häufig sind sie sehr gut über ihre Ernährungsform informiert und schaffen es faktisch sehr gut zu argumentieren. Ihre Ernährung rechtfertigen tun sie aber kaum, weil sie von ihrem Konzept zu 100% überzeugt sind und es deswegen nicht für notwendig erachten. Hier kommt eher der Drang zu Tage Andere möglicherweise argumentativ von dem Konzept zu überzeugen und mitzureißen.

Leute, die aus Prinzip gegen bestimmte Konzepte sind, zeigen durch ihre Reaktionen häufig, dass sie kein Wissen über diese Ernährungsformen haben. Wären sie informiert wüssten sie, dass bei jedem Ernährunskonzept sowohl positive, als auch negative Argumente greifen. Von daher sind Grundsatzaussagen wie „Das ist auf jeden Fall ungesund!“ oder „Das bringt nichts!“ per se nicht auf Fakten basiert oder reflektiert.

Meine ganz persönliche Einschätzung ist, dass es von der Kategorie 3 der Menschen, die „es eigentlich besser wissen“ die Meisten gibt. Und auch mein Freund der Tiefkühlpizzenliebhaber gehört meiner Meinung nach dazu. Er kennt alle Fakten und Auswirkungen rund um tierische Produkte und kann sie ausnahmslos nachvollziehen und verstehen. Aber er formuliert sich selbst Ausreden wie „Der Fleischkonsum ist ein globales Problem, es müsste jeder Einzelne etwas ändern, damit das was bringt“ oder „Ich achte auf gute Qualität des Fleischs…außer ich esse auswärts“. Somit kommt er immer mehr in den Erklärungsdrang, weil er merkt, dass er eigentlich konsquenter leben könnte. Somit beginnen die Rechfertigungen, die unter dem Strich dann aber eher gegenüber sich selbst stattfinden als Anderen gegenüber.

Jeder muss seine Ernährung hauptsächlich vor sich selbst rechtfertigen.

Die Rechtfertigung anderen Gegenüber spielt eigentlich keine Rolle, wenn man selbstsicher hinter seinem Konzept steht. Also nein, eigentlich musst Du deine Ernährung nicht rechtfertigen. Wenn Du es trotzdem tust weißt du, dass Du vermutllich die Ansprüche an Dich selbst diesbezüglich nicht erfüllst.

Auch ich gehöre zu den Menschen, die ihre Ernährung rechtfertigen. Entweder tatsächlich meine glutenfreie Ernährung, weil ich das Gefühl habe ich müsste es rechtfertigen, weil ich Anderen Mehraufwand bereite. Oder aber auch nicht vegane Lebensmittel. Ich würde mich gerne zu 100% vergan ernähren, aber ich schaffe es da selbst nicht meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Deswegen rechtfertige ich mich schon hin und wieder für meinen ultraleckeren Parmeggiano…

Mein Wort zum Donnerstag: Ernähre Dich so, dass Du damit selbst zufrieden bist, sodass das Bedürfnis sich zu rechtfertigen gar nicht erst aufkommt. Bedenke dabei – Nobody’s perfect!

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,

Marie

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