Verpackungsmüll in der Lebensmittelindustrie – Verzichtbar?

 In Marie's Kolumne

Am S-Bahn Gleis blickt mir ein Delfin entgegen. Kein schöner Anblick, denn er hat das ganze Maul voll mit Plastikmüll. Die neuen Plakate von WWF machen auf ein Problem aufmerksam, dass seit Jahren besteht, aber dem erst seit kurzem entgegengewirkt wird. 

Mit knapp 12 Mio Tonnen Plastikverbrauch pro Jahr liegt Deutschland in Europa im Vergleich vorne.

Der größte Anteil des produzierten Plastiks wird weltweit in verschiedensten Arten von Verpackungen verarbeitet. Darunter fallen auch ein großer Teil der Lebensmittelverpackungen. Ein Bekannter sagte letztens zu mir, die größte Verpackungssünde, die er kenne seien die Rocher Kugeln. Eine Schachtel aus Kunstoff, mit Einlegecartonage aus Plastik und jeder einzelnen Kugel in Plastik verpackt. Mir fallen da noch ein paar glutenfreie Beispiele an, wie zig Mal verpackte Schokowaffeln von Aldi oder einzeln eingepackte kleine Brokkoli und Blumenkohlköpfe, nochmals von einer großen Plastikfolie umwickelt. Doch es gibt auch valide Gründe, weswegen Lebensmittelverpackungen notwendig sind. Ich habe Dir verschiedene Argumente zusammengetragen, wie überzeugend diese für Dich sind, musst Du selbst entscheiden.

Welche Begründungen stecken hinter den Lebensmittelverpackungen?

  • Lebensmittelverpackungen dienen häufig dazu die Frische des Produkts zu wahren (z.B. eingeschweißte Nahrungsmittel)
  • Um das Produkt sicher transportieren zu können, werden Verpackungen häufig als Schutz verwendet (z.B. bei Beeren)
  • Die Marge der Verpackung ist häufig deutlich höher, als die des Produkts an sich – wer hat sich noch nie wegen einer hübschen Verpackung zum Kauf eines Produkts hinreißen lassen?
  • Die To-Go Mentalität oder auch Bequemlichkeit haben Einfluss darauf, dass immer mehr klein portionierte Produkte verkauft werden. Das bedeutet kleinere Einzelverpackungen, gleichzeitig ein höherer Gewinn (vergleiche mal den Grammpreis von einer Lachgummi Tüte und Lachgummi Minis…)
  • Die Verpackung von Lebensmitteln ist entscheidend für die Vermarktung und aus Marketingsicht nicht wegzudenken. Denn wie soll das Produkt sonst beworben werden?
  • Lebensmittelverpackungen liefern auch eine Reihe an Informationen über Nährwerte, Allergene, MDH etc.

Realistisch gesehen sind Lebensmittelverpackungen wohl kaum ganz wegzudenken und bei einigen Produkten sind sie wohlmöglich unumgänglich, dem Frische- und Schutzargument geschuldet. Aber dann gibt es auch wieder eine Reihe Lebensmittel, die unverpackt oder plastikfrei verkauft werden könnten und sollten. Doch warum werden trotzdem nicht viele Lebensmittel unverpackt verkauft?

Laut einer repräsentativen PWC Umfrage im Jahr 2018 (n=1000) sehen 45% der Befragten die Hersteller als Verantwortliche den Verpackungsabfall zu reduzieren.

22% wiesen dem Handel die Verantwortung zu, 18% dem Gesetzgeber, jedoch lediglich 15% sahen die Verbraucher als Entscheidungsträger. Dieses Ergebnis ist aus meiner Sicht zwar irgendwo verständlich, aber nichts desto trotz erschreckend. Der Handel ist von den Konsumenten abhängig und die Hersteller vertreiben, die von den Konsumenten akzeptierten Produkte. Nachfrage bedingt das Angebot und andersrum. Die Frage ist doch, wieso sollten Hersteller und Handel ihr Verhalten ändern, wenn der Verbaucher die etablierten Produkte doch kauft? Auch Hersteller und Händler stehen unter wirtschaftlichen Druck und können es sich nicht leisten, dass ihre Produkte in den Regalen stehen bleiben. Natürlich können sie einen Schritt in die richtig Richtung gehen und auch Gesetze wie die Gebühr für Plastiktüten können helfen. Aber im Endeffekt ist ein Umdenken auf Seiten der Verbraucher notwendig. Wir produzieren den Müll durch unseren Konsum, aus vielen Gründen, unter denen Bequemlichkeit sicher einer ist. Aber jeder kann etwas dazu beitragen sein Konsumverhalten zu beeinflussen und seinen eigenen Verpackungsmüllberg zu reduzieren.

Wie kann ich zu einer Reduzierung von Verpackungsmüll beitragen?

  • Kaufe Obst und Gemüse saisonal und regional ein. Obwohl selbst regionales Gemüse in Supermärkten häufig eingepackt ist, bekommt man es auf dem Markt sicherlich unverpackt.
  • Koche selbst viel frisch und verzichte auf Fertigprodukte.
  • Stelle deinen eigenen Konsum zuerst in Frage? Welche Lebensmittel lassen sich einfach durch unverpackte Varianten ersetzen, bei welchen ist es schwieriger?
  • Passe deinen Verbracuh sukzessiv an. Es ist kaum möglich ab morgen plastikfrei, aber Schritt für Schritt immer mehr Lebensmittel unverpackt ist machbar.
  • Lasse dich auf etwas Neues ein und traue dich in einen Unverpackt Laden.
  • Versuche dich nicht so sehr von der äußerden Erscheinung eines Produkts leiten zu lassen. Die eingepackten Äpfel glänzen schön und die auf dem Markt haben kleine Dellen – es kommt auf den Geschmack (und den Transportweg) an.
  • Nimm dir Zeit zum Essen und reduziere deine To Go Snacks, die dann ja doch irgendwie eingepackt werden müssen.

Eine wirkliche Änderung in Bezug auf Lebensmittelverpackungen wird sich erst ergeben, wenn wir unser Konsumverhalten überdenken. Ich werde nicht müde zu betonen, dass dieser Wandel nicht unbedingt drastisch sein muss, auch wenn jeder anfangen würde nur Obst und Gemüse unverpackt zu kaufen, hätte das schon einen messbaren Effekt.

Falls ich rüberkomme wie ein Öko – bin ich nicht. Aber das Thema ist relevant und der übermäßige Verbrauch hat so viele negative Auswirkungen auf verschiedene Bereiche und trotzdem beschäftigen sich Wenige damit, das Problem anzugehen.

Schöne 2 Restarbeitstage und ein schönes Wochenende wünsche ich Dir,

deine Marie


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