Glutenfrei einkaufen bei gramm.genau

Alle Fotos in diesem Beitrag sind geschützt durch Kathi Krechting k.fotografie&artdesign.

Das Problem

Im Jahr 2050 könnte dreimal mehr Plastik im Meer schwimmen, als Fische.

Im Jahr 1950 wurden 1,5 Millionen Tonnen Plastik jährlich produziert – heute sind es jährlich 300 Millionen.

Die Recyclingrate in Europa liegt bei niedrigen 30%, in den USA sogar nur bei 9%! (Quelle: Plastikmüll Statistik 2016 & 2017)

Die enormen Mengen an Plastikmüll werden immer mehr zur Herausforderung und spätestens seitdem China im April seinen Importstopp für Plastikmüll verhängt hat, ist dieses Problem aktueller denn je.

Lösungsansätze

Unverpackt Läden:

Das Konzept dahinter ist relativ simpel. Lebensmittel werden beim Einkauf direkt in mitgebrachte Behälter (idealerweise nicht aus Plastik) abgefüllt, wodurch ein Großteil des Verpackungsmülls eines „normalen“ Einkaufs entfällt. Die lose Ware wird häufig in an der Wand montierten großen Spendern aufbewahrt, aus denen sich die Kunden dann direkt ihre Ware abfüllen können. Dabei werden in der Regel nicht nur Lebensmittel wie Reis, Kaffee oder Süßwaren angeboten, sondern auch Waschmittel, Duschgel und Co. Aber auch Eier können in mitgebrachte Kartons sortiert und erworben werden. Häufig sind die Waren zudem biologisch und aus regionaler Erzeugung. Mittlerweile gibt es um die 80 Unverpackt Läden in Deutschland – Tendenz steigend!

Unverpackt Lieferservice:

Ein etwas mobileres Konzept ist der Unverpackt Lieferservice. Einer davon ist gramm.genau in Frankfurt. Hinter dem Laden steht ein vierköpfiges Team, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat mit ihrem Start-Up gesellschaftlich akzeptablen und ökologischen Konsum zu fördern. In Kooperation mit dem gramm.genau Unverpackt Laden auf der Berger Straße bieten sie die verpackungsfreie Lösung nun auch für zu Hause an. Um herauszufinden, was genau dahintersteckt, habe ich mit Jenny gesprochen, die für die Öffentlichkeitsarbeit und Strategie von gramm.genau verantwortlich ist.

gramm.genau

Marie: Hey Jenny! Beschreibe mir das Konzept des gramm.genau Lieferservices doch erstmal in deinen Worten?

Jenny: An sich ist das Konzept der Unverpackt Läden natürlich schon sehr gut, aber es wird eben nicht mehr ganz den Ansprüchen der modernen Gesellschaft gerecht. Also haben wir uns  überlegt, wie wir die Leute besser erreichen können und so entstand die Idee des Lieferservices. Natürlich gibt es Konsumenten, die gerade einen entschleunigten Alltag schätzen und gerne Lebensmittel in Ruhe einkaufen. Aber  besonders bei Berufstätigen passt das eben nicht immer in den Alltag und dafür ist der Lieferservice einfach praktisch. Wir sind kein klassicher Onlinehändler, sondern folgen weiterhin dem Motto „plastikfrei, nachhaltig,fair“. Unsere Produkte werden nur lokal in Frankfurt vertrieben, mit dem Fahrrad ausgeliefert und auch dann haben wir ein Müllfreies System entwickelt.

Anstatt Kartons verwenden wir Jutetaschen mit unserem Logo und die Produkte werden in Pfandgläsern ausgeliefert.

Somit ist der ökologische Fußabdruck nach wie vor vertretbar und das Konzept ist lokal uns soll es auch bleiben.

Panista_Blog_Zu Gast bei_gramm.genau_lieferservice

Marie: Sind eure Lebensmittel auch alle Bio?

Jenny: Ja klar! Nachhaltigkeit und Bioqualität gehören auch irgendwie zusammen. Durch ökologische Landwirtschaft werden einfach deutlich weniger Ressourcen verbraucht, als bei konventioneller Landwirtschaft.

Marie: Gab es ein einschneidendes Ereignis, was dich und die anderen Gründer zum Handeln motiviert hat?

Jenny: Ja, wir haben alle unsere eigenen Beweggründe! Ich habe vorher in der Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet und hautnah miterlebt, was unser Konsum am anderen Ende der Welt für Folgen hat. Die enormen Mengen von Plastikmüll sind in vielen Regionen der Grund dafür, dass die Lebensgrundlage wegfällt. Besonders betroffen sind Orte, die auf Fischfang angewiesen sind und in deren Küstenregionen die Fische durch den Plastikmüll verenden. Dabei muss auch ganz klar gesagt werden, dass der Plastikmüll durch westliche Konsumgüter entsteht. Natürlich gibt es z.B. in Indien viel Plastikmüll. Die Inder kochen jedoch müllfrei, was den Müll verursacht sind importierte Güter wie PET Flaschen oder Sschokoladenverpackungen. Die schiere Masse des Mülls resultiert schlichtweg aus der Vielzahl an Menschen. Auch Recycling bringt nicht wirklich viel, sowieso wird nur eine ganz geringe Quote an Müll recycled und das dann auch noch mit hohem Energieaufwand. Das muss nicht sein!

„Warum wollen wir diesen Lebensstandard erhalten, wenn wir so viel Unheil in der Welt damit anrichten?“

Christine wiederum ist leidenschaftliche Surferin und ist bei diesem Sport vermehrt mit dem Plastiküll im Meer in Kontakt gekommen. Das hat ihr gezeigt, dass sich etwas ändern muss.

Franzi hat Kunstpädagogik studiert und bietet im Museum für Kommunikation Bastelwerkstätten für Kinder an. Dabei recycled sie häufig ältere Gegenstände und hat festgestellt, dass den Kindern ein bewusster Umgang mit Ressourcen/Plastik viel einfacher näher zu bringen ist, als Erwachsenen. Also quasi das Problem von klein auf bewusst zu machen.

Und Thomas beschäftigt sich in seinem Beruf als Umweltberater generell viel mit dem Thema.

Marie: Was ist für dich der Hauptgrund, warum Müll reduziert werden muss?

Jenny: Durch einen bewussten Ressourcenumgang könnte man langfristig deutlich mehr Menschen ernähren.

„In gewisser Weise sind wir auch weniger ein Start-Up, als ein politisches Statement“

Panista_Blog_Zu Gast bei_gramm.genau_müllfrei

Jeder sollte bei sich selbst anfangen, umdenken und handeln. Politische Entscheidungen wie z.B. die geplante EU Verordnung gegen Einweggeschirr hilft natürlich, ist aber keine Bedingung. Lobbyarbeit ist wichtig, damit die Verbraucher das Problem erkennen und aufgeklärt werden. Besonders die Menschen, die gar kein Gefühl für ihren Konsum oder dessen Folgen haben. Hinzu kommt, dass grundsätzlich viele Konsumenten inzwischen umdenken, aber das entsprechende Angebot noch nicht da ist. Gäbe es z.B. in Supermärkten immer die Wahl zwischen Verpackt und Unverpackt würden sich bestimmt Einige für die unverpackte Variante entscheiden.

Marie: Ist die fehlende Wertschätzung von Essen oder auch die To-Go-Mentalität ein Problem?

Jenny: Auf jeden Fall! Viele hinterfragen generell ihren Konsum oder auch die Herstellungsprozesse nicht. Außerdem fehlt es an Grundwissen über Ernährung und die Inhaltsstoffe von Produkten.

„Wusstest du, dass in 60-70% aller verpackten Lebensmittel Zucker drin ist?“

Auch in herzhaften Produkten wie Brot, das wissen die Meisten gar nicht. Aber ich will gar nicht alles schlecht reden, To-Go Produkte haben ja durchaus ihren Nutzen. Aber es gibt einfach nachhaltigere Alternativen! Wie wäre es zum Beispiel mit einem Salat im Glas to go?

Marie: Was ist denn deine Reaktion auf das Vorurteil Unverpackt Produkte seien zu teuer?

Jenny: Es ist natürlich das Ziel Grundlebensmittel bezahlbar für alle anzubieten. Für kleine Lebensmittelhändler sind die Kosten aber leider sehr hoch, trotzdem zahlt man faire Preise, besonders da die Produkte alle Bio sind. Große Ketten hätten da ganz andere Möglichkeiten und könnten alternativ auch nicht biologische Produkte unverpackt anbieten. Auf der anderen Seite muss man auch sehen, wie viel man durch einen bewussten Konsum, oder auch Upcycling/Recycling an Kosten spart. Wenn auf Marketingaktionen weniger angesprungen wird und die Anzahl der Spontankäufe zurückgeht spart man einfach Geld, dass man wiederum in hochwertige Produkte stecken kann. Abgesehen davon sind manche Lebensmittel, wie Nudeln, bei uns teils sogar günstiger!

Marie: Steigt die Nachfrage und wie sieht eure Kundschaft aus?

Jenny: Ja die Nachfrage steigt und das ganz ohne bezahlte Werbung! Wir haben lediglich über die sozialen Medien und Kontakte in Frankfurt die Werbetrommel gerührt!

„Die Leute haben irgendwie Lust drauf“

Die Kundschaft ist wirklich bunt gemixt. Da ist alles dabei von Familien, über junge Berufstätige, bis hin zu Studenten WGs oder auch älteren Stammkunden.

Marie: Was sind denn die Pläne von gramm.genau für die nächste Zeit?

Jenny: Wir würden schon gerne mehr Produkte anbieten, aber wir haben einfach keinen Platz mehr. Deswegen sind wir im Moment auf der Suche nach einem größeren Lager. Das Lager soll dann auch mit einem Cafébetrieb verbunden werden, in dem es Kreationen einer Konditorin geben wird, die ökologisch backt. Auch je ein veganes und glutenfreies Angebot soll übrigens mit dabei sein.

Marie: Dein Statement zum Schluss 🙂

Jenny: Ich finde, man darf den Spaß an der Sache nicht verlieren! Für mich ist es total spannend darauf zu achten, was man konsumiert. Es ist einfacher Geld zu sparen, indem man nicht mehr spontan kauft und ich habe total viele Leute durch DIY Workshops kennengelernt. Ich gehe kreativer ans Leben heran und…

…ein bewusster Konsum hat mein Leben total bereichert.

Vielen Dank Jenny nochmal für deine Einblicke!

Jenny hat mir noch erzählt, dass gramm.genau für Allergiker keine 100%ige Kontaminationsfreiheit garantieren kann, aber das Grundkonzept kann jeder Einzelne in seinem Alltag umsetzen. Außerdem bietet gramm.genau auch Hygiene- oder Haushaltsartikel an, schau doch mal rein: gramm.genau.

Nächste Woche startet zudem das Crowdfunding Projekt von  gramm.genau, um das zuvor beschrieben Zero-Waste-Café zu realisieren. Wenn du gramm.genau unterstützen und die Welt damit ein bisschen fairer und nachhaltiger machen möchtest, dann freut sich das Unternehmen über jeden Beitrag! -> Crowdfunding Zero Waste Café

Ich hoffe, ich konnte dich ein bisschen inspirieren oder sensibilisieren und wer weiß, vielleicht siehst auch du in Zukunft deinen Verpackungsmüll anderen Augen 🙂

Viele Grüße

Deine Marie

Den Laden gramm.genau findest du übrigens auf der Berger Straße 26 in Frankfurt am Main!

  • Marie
    Marie Social Media Editor
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