Zu Gast bei dem aha Ladencafé

aha- anders handeln! Das ist das Motto des Konzepts von Claudia Greifenhahn, der Geschäftsführerin der Ladencafé aha GmbH. In Dresden sitzt dieses kleine Unternehmen mit einem Weltladen und einem Ladencafé, dass unter anderem auch glutenfreie Speisen anbietet. Das Café bezieht 70% der angebotenen Produkte aus nachhaltigem Anbau und es wird großen Wert auf frische Zubereitung gelegt. Ein echtes Vollwertrestaurant, dass auch für die vegane und vegeatrischen Gäste eine sehr gute Option ist. Abgesehen von den beiden Läden, engagiert sich das Unternehmen grundsätzlich im Bereich Nachhaltigkeit und wirbt zum Beispiel für Veranstaltungen oder gibt Denkanstöße in diesem Kontext.

Um mehr über den Laden und das Konzept des Ladens zu erfahren, habe ich Claudia getroffen, die mir ein paar Fragen beantwortet hat!

1) Woher kam die Inspiration für das aha-Konzept? Gab es ein besonderes Erlebnis, was Sie dazu motiviert hat?

Schon zu DDR-Zeiten haben wir uns mit fairem Handel und entwicklungspolitischen Zusammenhängen in der Theorie beschäftigt. Mit der Wende führte unser Konsum plötzlich auch dazu, dass die Ungerechtigkeiten im Handel von uns selbst mit unterstützt wurden. So haben wir die für uns damals einzig mögliche Variante gewählt – eine Alternative zu schaffen und zu zeigen, dass es andere Wege geben kann. So entstand die Idee, die inhaltliche Arbeit auf die Sinne umzulegen – sehen, hören, riechen, schmecken, drüber reden ….. und die Idee des aha (übersetzt: anders handeln) war geboren.

2) Hat sich die Nachfrage/Kundschaft in den letzten Jahren verändert und wenn ja wie?

Verändert hat sich vor allem das Kaufverhalten im Weltladen. Während wir in den Anfangsjahren der „Platzhirsch“ mit fair gehandelten Produkten und vor allem auch Kaffee waren, gibt es nun etliche Biogroßmärkte, die einen erheblichen Teil unseres Sortimentes ebenfalls anbieten. Hier gibt es also eine Verschiebung. Das Restaurant aber fällt aus der üblichen Angebotspalette einer Innenstadt heraus und wird von Menschen aller Altersklassen als Oase wahrgenommen und als Geheimtipp weitergereicht. Das ist wunderbar.

3) Ihr Ladencafé bietet nach eigenen Aussagen hauptsächlich vegetarische und vegane Speisen an, hat sich das aus dem Ansatz generell frische Speisen anzubieten ergeben oder passen Sie sich damit auch dem „Vegan Trend“ an und reagieren auf die gestiegene Nachfrage?

Wir hatten schon veganes Essen im Sortiment, als das überhaupt noch nicht den Mainstream erreicht hatte und die Menschen auch noch glaubten, Vollwert ist sowas wie Vogelfutter und vegan kann nur krank machen. Somit waren wir Vorreiter und ein wichtiger Ort in Dresden für Menschen, die Alternativen leben. Inzwischen ist unser Angebot ausgewogen – vegetarisch, vegan aber auch Fleisch findet sich auf der Speisekarte, sodass jede/r etwas finden kann.

4) Mit Frage 3 zusammenhängend würde mich auch interessieren, ob Sie die angebotenen Gerichte schon immer ausführlich mit Hinweisen auf Allergene gekennzeichnet haben oder ob das erst nach häufigen Rückfragen umgestellt wurde? Man sagt ja Allergene nehmen immer mehr zu?

Unsere Idee, alle Zutaten offenzulegen hat vor allem damit zu tun, dass immer mehr Menschen das eine oder andere ablehnen. Allergiehinweise sind gesetzlich Pflicht und wir dachten, es ist am einfachsten, nichts zu verheimlichen. Da wir ohnehin frisch kochen, die Kartoffeln und Möhren und Zwiebeln selbst schälen, die Gemüsebrühe selbst herstellen und keine Fertiggerichte verwenden, fällt es nicht schwer, die Zutaten einfach zu benennen. Man findet sie auf der letzten Seite unserer Speisekarte. Allerdings haben wir das erst vor 2 Jahren eingeführt, nachdem sich die Nachfragen der Kundinnen immer mehr gehäuft haben.

5) Ich selber vertrage kein Gluten und  bin deswegen auf eine glutenfreie Diät angewiesen. Finden Sie es als Gastronomin schwierig einige glutenfreie Gerichte anzubieten (auch bezogen auf die Kontaminationsgefahr) oder denken Sie, dass durch die Verwendung frischer Zutaten das Angebot glutenfreier Speisen relativ einfach ist?

Es ist nicht besonders einfach, glutenfreie Gerichte anzubieten, da oft verstecktes Gluten beim Binden von Soßen oder in Nebenzutaten auftreten. Wir achten darauf, dass die als glutenfrei bezeichneten Speisen auch wirklich kein Gluten enthalten. Hier liegt der Teufel im Detail.

6) Denken Sie persönlich, dass sich glutenfreie Alternativen wie Quinoa, Amaranth & Co auf lange Sicht zunehmend in Gastronomien etablieren werden?

Das kommt auf Verfügbarkeiten und Preise an. Und die Art zu kochen. Wenn dennoch mit Mehl angeschwitzt wird – dann adé Glutenfreiheit 🙂

7) Ich habe einen kritischen Kommentar zu Bio Zertifizierungen auf Ihrer Homepage gelesen, in dem Sie auf der einen Seite die laschen Kriterien für eine solche Zertifizierung und auf der anderen Seite die hohen Kosten kritisieren. Sie appellieren an das Vertrauen Ihrer Gäste auf Ihre Angaben zu vertrauen. Wie müsste, denn Ihrer Meinung nach eine faires Zertifizierungssystem aussehen, das allen Beteiligten gerecht wird? Denn die meisten Konsumenten orientieren sich ja dennoch oft an Siegeln?

Das ist eine sehr komplexe Frage. Ich stelle inzwischen die meisten Zertifizierungen in Frage, das habe ich auf unserer Seite auch ordentlich beschrieben. Ich denke, sobald die Zertifizierungsorganisationen daran verdienen müssen, wachsen die Kompromisse. Siehe auch transfair-Siegel oder Bio EU-Siegel. Soviele Player sind an der Kriterienfindung beteiligt, das können nur schlechte Kompromisse sein. Eine Zertifizierung sollte staatlich organisiert und kontrolliert werden, ohne den Zwang, sich davon ernähren zu müssen.

8) Ihr persönlicher Appell/Kommentar an die Leser zum Thema „Bewusste Ernährung“?

Esst frisch, regional und saisonal, achtet auf möglichst kurze Transportwege der Zutaten, lasst es zu, dass nicht immer alles verfügbar ist, schimpft nicht, wenn nicht die gesamte Speisekarte verfügbar ist – essen ist was schönes, wenn man sich Zeit nimmt und darüber nachdenkt, was man zu sich nimmt. Sich bewusst ernähren heißt für mich, das zu mir zu nehmen, war mir gut tut. Und wenn ich in mich hineinhöre, dann weiß ich auch, was mir wirklich gut tut.

Nochmal danke für den Input Claudia!

Wenn du auch anders handeln möchtest und mehr über das Konzept oder das Ladencafé erfahren willst schau doch mal auf der Homepage vorbei!

Viele Grüße

Deine Marie

  • Marie
    Marie Social Media Editor
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